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Der Mann hinter „Bochum Total“
Eigentlich wollte Marcus Gloria Rockstar werden. Zum Glück hat er sich für die andere Seite entschieden und bringt bei „Bochum Total“ Nachwuchskünstler und große Musikstars auf die Bühne. Dass Bochum ein „Hotspot der Live-Kultur“ geworden ist, hat auch mit der Person des heute 61-Jährigen zu tun. Der vierfache Familienvater pflegt privat ein ruhiges Leben auf einem Bauernhof an der Stadtgrenze von Bochum und Witten, doch beruflich sorgt er dafür, dass in der Innenstadt jeden Sommer die Hunderttausende singen, tanzen, feiern, einfach eine gute Zeit haben.
Wir schreiben das Jahr 1986 in Bochum. Heri Reipöler* und Marcus Gloria wollen Rockstars werden. Beide spielen in verschiedenen Bands und sind fest entschlossen, in der Musikszene Fuß zu fassen. „Es gab aber nichts, wo wir auftreten konnten. Die Zeche hatte gerade aufgemacht, da traten dann Stars wie Tina Turner auf, aber für Nachwuchsbands gab es keine Möglichkeit. Wir durften dann im Jugendzentrum auftreten – das war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten“, erinnert sich Gloria. Zu dieser Zeit befand sich auch das Bermuda3Eck noch in seinen Grundzügen, bestand aus nur ein paar Kneipen: Mandragora, Brinkhoffs, Treibhaus, Patu, Hard Rock Café und Drugstore. „Im Mandragora von Leo Bauer konnte man spielen, der hat es gefördert, das tut er auch heute noch. Ansonsten gab es aber nichts, wo wir auftreten konnten.“
Also taten sich Heri Reipöler als Vorsitzender der Musiker-Initiative Bochum und Gloria, der ebenfalls gut vernetzt war, zusammen und starteten das erste „Bochum Total“ – über drei Tage lang, mit vielen lokalen Bands, einem Holzpodest als Bühne auf der Brüderstraße und einer geliehenen Bühne am Konrad-Adenauer-Platz, die auf den früheren Brunnen gebaut wurde. Damals steckten die beiden ihr knappes Geld in die Veranstaltung, mit den Jahren kamen Bühnen, Sponsoren und die Idee, Getränke zu verkaufen, hinzu. Das Festival wuchs und wuchs. „Zuerst wusste niemand, was wir vorhaben, weil es so etwas vorher noch nie gab, aber man hat uns unterstützt und uns laufen lassen. Man musste sich dann jedes Jahr aufs Neue beweisen und nach ein paar Jahren waren alle ganz überrascht, dass es so riesig geworden war. Ich konnte es mir selbst nicht vorstellen“, erzählt Gloria.
*Heri Reipöler ist heute Managing Partner der Agentur Radar Media GmbH (die Macher von Zeltfestival Ruhr).


Vom Talent zum großen Star
Über die Jahre hat sich „Bochum Total“ enorm weiterentwickelt. Das immer noch frei finanzierte Festival weitete sich immer weiter aus, auf fünf Bühnen, vom KAP und der Brüderstraße bis hin zum Otto-Sander-Platz und schließlich bis auf den Südring und die Viktoriastraße. Da wurden auch die Behördengänge immer komplizierter. „Aber Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber hat damals seine schützende Hand drüber gehalten“, lobt Gloria. So ist „Bochum Total“ mit zuletzt rund 600.000 Zuschauern an vier Tagen eines der größten kostenlosen Outdoor-Festivals in Deutschland geworden. Über die Jahre haben sich auch unzählige Anekdoten gesammelt, wie zum Beispiel als die Band „Culcha Candela“ zu Gast war: „Als wir nach dem Konzert Backstage waren, haben draußen tausende Fans geschrien und wollten Autogramme. Wir haben die Künstler erst nicht aus dem Backstage rausgekriegt, aber dann doch, indem sie in den Rettungswagen eingestiegen sind.“
Doch nicht nur die großen Konzerte machen „Bochum Total“ aus. Ein Markenzeichen sind bis heute die vielen Nachwuchsbands, von denen nicht wenige kurz danach den Durchbruch geschafft haben – oder auch kurz davor: „Casper“ war bei seiner Buchung noch weitgehend unbekannt, stand dann aber bei seinem Auftritt in Bochum in den Charts ganz vorne – mehr als 50.000 Zuschauer kamen zu dem Konzert. Für die Besucherinnen und Besucher spielt dabei die Musikrichtung kaum eine Rolle. So war es schon früher, als die Punk-Band „Die Kassierer“ direkt vor dem eher von Schlager-Musik geprägten Drugstore spielte. „Das war für alle eine total heitere Geschichte. Das ist auch wieder das Besondere an ‚Bochum Total‘. Normalerweise gehst du ja nicht zu einem Konzert von einer Band, die du nicht kennst, sondern zu dem, was du immer hörst. Aber bei ‚Bochum Total‘ gibt es immer interessante Berührungen“, findet Gloria.
„Hotspot der Live-Kultur“
Überhaupt schätzt Gloria Bochum als „Hotspot der Live-Kultur“: „In Bochum, wenn man es mit anderen Städten in Nordrhein-Westfalen vergleicht, gibt es gemessen an der Zahl der Einwohner und den kulturellen Angeboten schon eine dichte Zusammenkunft. Es gibt eine Menge Leute, die richtig gute Sachen machen – Schauspielhaus Bochum, Bochum Total, Zeltfestival Ruhr oder Urbanatix, um nur einige zu nennen – das sind alles Aktivitäten, die nur in Bochum entstehen konnten.“
An vielen Aktivitäten hat er auch selbst mitgewirkt. Gloria hat „Bochum Total“ ins Leben gerufen, aber ebenso schon etliche andere Events in Bochum veranstaltet. Dazu hat er in den 90er Jahren unter anderem die Diskothek „Riff“ (heute: Gleis 9) mit hochgezogen, damals als Kleinkunsthalle mit Galerie und Ausschank angetreten. Doch er will sich nicht in den Vordergrund stellen, warum Bochum zum „Hotspot der Live-Kultur“ geworden ist. „Da gibt es noch viele andere Personen. Das hat auch damit zu tun, dass in Bochum dafür die Strukturen offen sind“, so Gloria: „Bochum war und ist immer noch der ideale Ort, um neue Dinge auszuprobieren. Man findet überall Leute, die Lust haben, mitzumachen und zu helfen. Das Klima in Bochum ist grundsätzlich kreativ.“ Auch das Bermuda3Eck spielt dabei eine besondere Rolle. „Das ist ein Viertel, das es immer geschafft hat, cool zu bleiben. Das ist auch was, das Bochum für sich ganz allein hat. Wo gibt es sonst noch sowas, mit so einer Dichte?“, meint Gloria, Mitglied im Vorstand der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Bermuda3Eck.

40-jähriges Jubiläum von „Bochum Total“
Im Jahr 2026 feiert „Bochum Total“ 40-jähriges Jubiläum. Gloria hat immer viele Ideen. Genau deswegen steht aber zum 40-Jährigen noch kein Vermerk im Notizbuch. „Jedes ‚Bochum Total‘ ist wie ein Jubiläum. Wir wollen uns auch nicht selbst feiern, da würde ich lieber den Künstlern eine bessere Gage zahlen, als zum Jubiläum ein Feuerwerk abzubrennen“, sagt Gloria. Wünsche für „Bochum Total“ hat der Träger des silbernen Ehrenrings der Stadt Bochum aber auf Lager: „Dass es so weitergehen kann, dass wir genug Bereitschaft auf allen Seiten finden, an so einem Projekt mitzuarbeiten, und für die Stadt Bochum wünsche ich mir, dass sie noch mehr Highlights rausarbeitet, wie zum Beispiel durch das Konzept der Markenbotschafter. Damit solche Dinge auch im Herzen der Bochumer ankommen, denn Bochum ist die beste Stadt im Ruhrgebiet. Wir haben hier alles, es gibt nichts zu meckern.“
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